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Wohltun, Freundschaft, Vaterland!

Das ist der Wahlspruch der Pankgrafschaft. Dazu kommt die Pflege des Berliner Humors und der Berliner Tradition. Jeder, der ein Pankgraf werden will, muß geloben, diesem Wahlspruch getreu zu leben und zu wirken.

Pankgraf d - 10

Als im Jahre 1881 die "Anti-politische Vereinigung von 1381", die Vorläuferin der "Alten Pankgrafen-Vereinigung von 1381", nach jahrhundertelangem Dornröschenschlaf wieder erstand, war es die Absicht der Gründer, die zu dieser Zeit, wie auch des öfteren in späteren Jahren, end- und grundlose politische Kannegießerei am Biertisch zu verpönen. Nicht etwa, um den großen politischen Ereignissen völlig teilnahmslos gegenüberzustehen, sondern um im Gegenteil den klaren Kopf für das wirklich Wichtige im Leben unseres Volkes und unserer Heimat zu behalten und die Einigkeit aller Deutschen in diesen großen Fragen herbeizuführen und zu fördern. Diese Einstellung konnte in den politisch ruhigen Jahren der ersten Entwicklung der Pankgrafschaft kaum anders zum Ausdruck gebracht werden, als in der Auswahl und Gestaltung der Festlichkeiten und sonstigen Veranstaltungen. Immer wieder aber leuchtet einem aus dem Wirken und Auftreten der pankgräflichen Freunde und aus den vielen Presseartikeln, die sich mit uns befaßten, unsere innige Verbundenheit mit dem deutschen Vaterland, vornehmlich aber mit unserer engsten Heimat, dem vielgeschmähten und von uns so oft besungenen Wedding, entgegen. Die seit der Gründung verflossenen Jahre, die sich mit ehernem Griffel in die Weltgeschichte eingetragen haben, forderten von der Pankgrafschaft den Beweis, daß die so oft betonte Vaterlandsliebe kein hohler Schall, kein Reklamerummel war. Mit großer Freude und berechtigtem Stolz kann die Pankgrafschaft auf ihre aufrechte Haltung in allen politischen Stürmen hinweisen. Klang schon in den geruhsamen Zeiten bis zum ersten Weltkrieg immer wieder die Volks- und Bodenverbundenheit der Pankgrafschaft hindurch, so zeigte sich die Aufrichtigkeit ihrer Gesinnung erst recht, als Krieg und Not und Tod, Hoffnung und Verzweiflung, Aufatmen und Zusammenbruch über unser Vaterland dahinbrausten. Mehr als einmal hat die Pankgrafschaft gezeigt, daß sie eine Vereinigung echter und rechter deutscher Männer ist. Sie hat gezeigt, daß in uns das tiefe Empfinden wurzelt, daß die schweren Prüfungen der letzten Jahrzehnte deutsche Menschen erfordert, deren sich ihre Väter nicht zu schämen brauchen, und mit Stolz kann die Pankgrafschaft von sich behaupten, daß sie bisher ihren Mann gestanden hat.

Möge es auch in Zukunft so bleiben.

 

Das gilt insbesondere auch von der Ausübung einer stillschweigenden Wohltätigkeit. Es werden nicht viel Worte gemacht. Aber wo es im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, sei es seitens der Pankgrafschaft als Vereinigung, sei es von seiten der einzelnen Freunde, durchführbar ist, da wird mit ernstlichem Wollen versucht, die Not der Mitmenschen zu mildern. So manche arme Weddinger Familie wurde der Verzweiflung entrissen, ohne daß sie wußte, woher die Hilfe im letzen Augenblick kam. So manchem verschämten Armen kamen die Tränen der Hoffnung, wenn er erkennen konnte, daß es hilfreiche Herzen gab, die sich seiner Not annahmen. Dem allgemeinen Rückgang des Wohlstandes nach den Kriegen entsprechend, ist es heute nicht mehr möglich, in so großzügiger Weise einzugreifen wie früher, aber was getan werden kann, um den Armen und Ãrmsten beizuspringen, das wird auch heute noch getan.

Dank der vortrefflichen Leitung unter den Hochmeistern der ersten fünfundzwanzig Jahre ihres Bestehens hatte sich die Pankgrafschaft in ihrer Organisation und ihrer Eigenart so fest aufgebaut, daß sie weit über die Bedeutung anderer Vereine mit ähnlichen Zielen hinausgewachsen war. Gewiß gab und gibt es in Berlin Gesellschaften, die an Zahl der Mitglieder der Pankgrafschaft weit überlegen sind. Sie machen viel von sich reden und stiften auf ihrem besonderen Gebiet sicher auch viel Gutes. Sofern sie aber über die Grenzen Berlins hinaus Bedeutung haben, sind sie nur Mitglieder großer Zusammenschlüsse und ihre führenden Männer sind nur Teile eines gesamtdeutschen oder gar internationalen Vorstandes. Die Pankgrafschaft dagegen hat es verstanden, als auf sich allein stehende und nur auf sich selbst angewiesene Vereinigung in ganz Deutschland Anerkennung zu finden und Achtung zu erwerben.

 

Das war nur möglich, weil in den Reihen der Pankgrafschaft eine seltene Bereitschaft zur Mitarbeit vorhanden ist. Den Hochmeistern der Pankgrafschaft, vom alten Vater Tannhof bis zu dem Hochmeister Hans-Joachim Stützer, ist es stets gelungen, durch Zielsetzung und Gestaltung aller Vereinsangelegenheiten in jedem einzelnen Pankgrafen Lust und Liebe zur Mitarbeit wachzuhalten. Da ist keiner, der sich nicht freudig in den Dienst der Sache stellt, wenn seine Mitarbeit gewünscht wird. Drückebergerei und Unlust zur Übernahme von Ämtern, auch wenn diese mit viel Arbeit verbunden sind, gibt es nicht. Mit Befriedigung kann der Hochmeister feststellen, daß das Erbe der Gründer von der Pankgrafschaft hoch und heilig gehalten wird, daß sich an der Organisation, den humorvollen Sitten und Gebräuchen, so wie die Gründer sie aufgefaßt sehen wollten, nichts geändert hat. Das starke Band, in unzerbrüchliche Freundschaft zusammenstehen und zusammenwirken!

Bei dieser Einstellung aller Freunde kann es nicht ausbleiben, daß sich nur solchen Männer zur Pankgrafschaft finden, die in unserem Kreise mehr suchen als eine farblose Vereinsmeierei. Wer nicht zu uns paßt, der merkt es schon während der Kumperkatenzeit, oder, wenn er es nicht merkt, so merken doch wir es, und er wird niemals Pankgraf. Daher sind die Fälle in denen Pankgrafen, die den Ritterschlag erhalten hatten, später wieder austraten oder ausgeschlossen werden mußten, bis zum heutigen Bestehen der Pankgrafschaft sehr selten. Die Einmütigkeit der Gesinnung und der aus den Herzen kommende Wunsch, Freundschaft mit Freundschaft zu vergelten, hält alle, die den Weg zur Pankgrafschaft gefunden haben, in Treue zusammen. 

Darüber hinaus gibt es aber noch ein weiteres Bindeglied für alle pankgräflichen Freunde: Die Pflege volkstümlicher Kunst! Was die Pankgrafschaft auf dem Gebiete der Kunst geleistet hat und auch heute noch leistet, geht weit über das hinaus, was man fuglicherweise von einer die heimatlichen Bräuche pflegenden Vereinigung erwarten kann. Zu jeder Zeit ihres Bestehens gehörten der Pankgrafschaft Amateure auf dem Gebiet der Vortragskunst, der Musik, des Gesanges, der Dichtkunst und der Mimik an, die eine überdurchschnittliche Begabung aufwiesen. Sie verstanden es, allen Veranstaltungen, seien es die glänzenden Damenfeste, die großen Ritterfahrten, die einzigartigen Eisbeinessen oder auch nur die einzelnen gewöhnlichen Remterabende, eine besondere Note aufzuprägen und sie damit zu Ereignissen zu gestalten, die mit Recht allgemeine Anerkennung fanden. Es wäre sonst wohl auch nicht möglich gewesen, daß sich namhafte Künstler, Dichter und Schriftsteller von Weltruf zu uns gesellt hätten und treue Pankgrafen geworden wären.

Und schließlich der Humor!

Nie wurden in unserem Kreise fade Witzeleien oder gar üble erotischen Ergüsse geduldet. Derartige seichte und leichte Ware haben wir immer abgelehnt! Stets aber wurde jener urwüchsige, kernige Humor gepflegt, der dem bodenständigen Manne eigen ist.

Die Gründer unserer Vereinigung haben uns auch auf diesem Gebiet den Weg gewiesen, die Freunde um die alten Hochmeister Meixner, Oehmke, Foerstermann und Boese sind ihn weitergegangen, und die jungen Pankgrafen halten die Tradition auch heute noch hoch.

Zum Schluß noch ein Wort über unsere mittelalterliche Tracht.

Unser Ordenskleid ist kein Mummenschanz, keine Maskerade, wie so mancher Außenstehende meint. Es ist die Brücke zur Freundschaft, das Tor zum Verstehen des Berliner Humors und des Berliner Wesens überhaupt. bewußt kommen wir bei unseren Ritterfahrten, die ja der Verbrüderung aller Deutschen dienen sollen, nicht im Frack und Zylinder oder im grauen Kleide des Alltags. Wir kommen in dem kleidsamen Gewande unserer wehrhaften Vorfahren, um von vornherein alle spießbürgerlichen Hemmungen beiseite zu schieben, um den Alltag für die Zeit unserer Anwesenheit vergessen zu machen, um die Herzen zu öffnen, die uns in Freundschaft entgegenschlagen sollen. Nie würden wir unser schönes Ziel, die Verbundenheit mit der Einwohnerschaft der eroberten Städte, innerhalb eines Tages errichten, wenn wir nicht schon durch unser Ordenskleid alle Sorgen und Kümmernisse des täglichen Lebens wegwischen würden.

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